(Güster, Juni 2009)
Das Fortbestehen der ältesten deutschen Marke für Systemspielzeug
und damit einer der renommiertesten Spielzeugmarken weltweit ist
gesichert. Die ANKER Steinbaukasten GmbH gehört zu Gollnest &
Kiesel, bleibt aber als eigenständiges Unternehmen am Gründungsort
Rudolstadt / Thüringen bestehen. Geschäftsführerin bleibt Bettina
Schiebel.
„Kein Spielzeug symbolisiert den traditionellen Anspruch, Kinder zum
Erkennen und Entwickeln der eigenen Fantasie und Kreativität zu
führen so sehr, wie der Ankerstein“, beschreibt Gerhard Gollnest die
Motivation der norddeutschen Spielzeughersteller beim Erwerb des
ANKER-Werks.
Seit
1880 - Das älteste Systemspielzeug der Welt
Das erste Systemspielzeug der
Welt kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Im kommenden
Jahr wird der Ankerstein 130 Jahre alt. Wofür die Natur Jahrtausende
benötigt, wird in Rudolstadt seit vielen Jahrzehnten in
vergleichsweise nur wenigen Stunden hergestellt: Stein. Steine in
verschiedenen Größen, Formen und Abmessungen, die zusammen ein
präzise gestaltetes Baukastensystem ergeben – in seiner Art weltweit
einzigartig. Hergestellt aus reinen Naturmaterialien: Quarzsand,
Kreide und Leinöl. Vor 14 Jahren erlebten die Ankersteine ihre
Renaissance und erobern jetzt wieder die Herzen kleiner und großer
Baumeister.
Handarbeit - made in Germany
Nach der Einstellung der
Produktion durch den staatlichen Eigentümer DDR im Jahr 1963 verhalf
der Ankerfreund und Akustikprofessor Georg Plenge den Ankersteinen
1995 zum Comeback. Er gründete die Anker Steinbaukasten GmbH. „Ich
habe Freunde gefunden, die wie ich der Faszination der Ankersteine
erlegen sind. Wir wollten die Ankersteine aus dem Dornröschenschlaf
erwecken." Heute sind wieder dreizehn Anker Steinbaukästen nach
Originalvorlagen erhältlich, die auch prompt das Gütesiegel „Spiel
gut" und den „Oskar" der US-Spielwarenindustrie „Parence Coice Award
in Gold" verliehen bekamen. So sind die dreidimensionalen Baukästen
moderner denn je: Sie entsprechen höchsten ökologischen und
pädagogischen Ansprüchen. Und man mag es kaum glauben. Bis heute
werden so manche schwierigen Steinformen teilweise per Handarbeit
hergestellt, das dazu benötigte Material mit fachkundigen Blick
ausgewählt.
Von Friedrich Fröbel über Otto
Lilienthal zu Friedrich Adolf Richter
Ursprünglich gab es einmal 400
Baukästen mit insgesamt 1200 verschiedenen Steinformen. Damals im
Jahr 1880 erwarb der Fabrikant Friedrich Adolf Richter, Inhaber
eines Betriebs für chemisch-pharmazeutische Produkte, die Rechte zur
Herstellung von stabilen Bausteinen von den Brüdern Otto und Gustav
Lilienthal, die dieses Verfahren in alten Büchern entdeckt hatten.
Aufbauend auf den Theorien Friedrich Fröbels, dem Gründer des ersten
Kindergartens, schufen die beiden Flugpioniere 1875 damit die
Grundlagen für einen Baukasten aus Stein.
Gerade vier Jahre besaß Richter die Rechte am Verfahren, als in der
Rudolstädter Fabrik schon die ersten vier Steinbaukästen in Serie
produziert wurden. Danach ging alles ganz schnell: Der roten, gelben
und blauen Steine eroberten nach und nach die Kinderzimmer rund um
den Globus. Grund- und Ergänzungskästen erlaubten allen
Hobbyarchitekten verschiedenste Bauwerke ohne Klebstoff nachzubilden
und beliebig zu variieren – das erste Systemspielzeug war
entstanden. Präzise, dreidimensionale Zeichnungen und Schnittpläne
lagen den Kästen bei, die vorwiegend Kirchen, Pavillons, Wachtürme,
Brücken, Schlösser und Festungen des späten 19. und frühen 20.
Jahrhunderts zum leichten Nachbauen vorsahen. Im Unternehmen wird
heute geschätzt, dass von 1880 bis 1963 rund fünf Milliarden
Ankersteine weltweit verkauft worden waren. Die heutigen Kästen sind
ebenso aufwändig wie damals: 3-D-Zeichnungen und ausführliche
Bauanleitungen liegen jedem Baukasten bei.
Der Tradition verpflichtet - an
neuen Herausforderungen orientiert
Noch in diesem Jahr werden die
Ankerwerke in Rudolstadt in neuere Produktionsräume umziehen, die
den Ablauf der Arbeiten vereinfachen und beitragen werden, höhere
Stückzahlen Steine herzustellen.
Die Grafiker und Designer arbeiten derzeit intensiv an neuen
Kinderspielzeugen aus Ankersteinen. Die ersten Produktlinien sollen
noch im Herbst erhältlich sein.
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