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351 Schülerinnen und Schüler in
einer der ärmsten Regionen Afrikas
Die Schule im Dogon - Land wird
immer größer
(Güster, Februar 2005)
Die Schule im Dogon Land (Mali/Westafrika) wurde 2003 mit Mitteln
der Spielzeugmarke 'cause gebaut und 2004 in Betrieb
genommen. 100 Schülerinnen und Schüler wollten unterrichtet werden.
Die große Anzahl und die Unterstützung durch die Eltern waren für
alle Initiatoren eine große überraschung, aber noch viel Kinder
wollten bald in der neuen Schule unterrichtet werden. Zuletzt wurden
im Oktober 2004 125 Kinder neu aufgenommen. In den drei Klassen (1.
– 3. Schuljahr) werden heute 351 Kinder im Alter von 6 – 13 Jahren
unterrichtet. Die Schule soll jedes Jahr um eine weitere Klasse
wachsen bis sie sechs Schuljahre umfasst.
Bei diesem unerwarteten
Kinderandrang musste die Schule aus allen Nähten platzen. 'cause
hat darum erneut weitere Mittel bereit gestellt, damit jetzt alle
Kinder in geeigneten Klassenräumen unterrichtet werden können.
„Diese Schule ist nicht einfach eine Schule,
sie leitet eine Epochenwende in dem Leben der Bewohner in den
Dörfern dieser Region ein“, schreibt uns die terre-des-hommes -
Regionalbeauftragte Ruth Hilbert. „Das Ausmaß ist noch nicht einmal
richtig einzuschätzen.“ Seit mehr als 14 Jahren sei es
ausdrücklicher Wunsch der Dörfer gewesen diese Schule zu erhalten.
Bemerkenswert, dass nicht nur Jungen in die Schule geschickt werden,
wie es sonst üblich sei, sondern eine etwa gleich große Anzahl von
Mädchen. „Das Umdenken der Bevölkerung, vor allem der Frauen, wurde
nach ihren eigenen Aussagen dadurch ausgelöst, dass die Schule, nach
vielen Jahren des Wartens und der vergeblichen Versuche, über die
Vermittlung einer Frau endlich realisiert werden konnte.“
Die Schule steht in Berdossou im nördlichen
Dogon Land, einem Teil des Sahelgebiets, das als ausgesprochene
Armutsregion gekennzeichnet wird. Das Leben dort ist hart für alle
und jeder kämpft um seine Existenz. Migrationsarbeit und
Arbeitssuche außerhalb des eigenen dörflichen Umfelds sind seit
jeher üblich. Zur Arbeitssuche außerhalb des Dorfes gehört die
Arbeitsvermittlung als üblicher Brauch. Arbeit, auch harte Arbeit,
ist für Kinder und Jugendliche notwendiger Bestandteil des
Sozialisationsprozesses. Arbeit wird in diesem Zusammenhang mit
Lernen gleichgesetzt. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen
praktischer Fertigkeiten, sondern auch um Durchhaltevermögen
gegenüber der Härte des Lebens, um Respekt, Gehorsam, Solidarität
und die frühe übernahme von Verantwortung.
Diese Haltung führt zu fließenden Grenzen
zwischen einer akzeptierbaren und kulturell tief verwurzelten Arbeit
als Lernprozess für die Kinder gegenüber einer wirtschaftlichen
Ausbeutung und Schädigung von Kindern.
Ebenso fließend verlaufen die Grenzen zwischen
der traditionellen Vermittlung von Kindern in Arbeitsverhältnisse
und einem kriminellen Händlerwesen.
In Mali verfügen die Menschen über weniger als
1 $ Einkommen pro Kopf und Tag. Etwa 70% der Menschen in Mali leben
unterhalb der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung beträgt etwa 45
Jahre, 90% der Frauen und 80% Männer sind Analphabeten, für
Jugendliche fehlen berufliche Perspektiven.
Auf dem Lande stellen sich diese Zahlen noch
dramatischer dar, die Erwerbsquelle hier sind fast ausschließlich
die Erlöse aus landwirtschaftlicher Produktion.
Die Armut ist allgegenwärtig und bedeutet
unzureichende Lebensmittelversorgung, fehlende
Gesundheitsversorgung, sehr hohe Kindersterblichkeit, geringe
Bildungschancen, unzumutbare Unterkünfte, schlechte
Trinkwasserversorgung, fehlender Zugang zu Informationen, hohe
Erwerbslosigkeit.
Mehr als die Hälfte aller Kinder gehen einer
gewerbsmäßigen Arbeit nach, wobei Kinderarbeit gerade in Mali,
angesichts eines weitgehend fehlenden Schulbildungssystems, einen
wichtigen Sozialisationsbaustein darstellt. Unter dem Druck der
Armut wandelt sich die Tradition zum Nachteil der Schwächsten. Die
Belastbarkeit der Kinder, die Zumutbarkeit von Tätigkeiten und
Lebensumständen wird unter diesem Druck über das Maß ausgereizt.
Gewerbsmäßiger Kinderhandel findet im Dogon
Land in erheblichem Umfang statt, wenngleich darüber keine Zahlen
vorliegen. Die Kinder werden für gewerbsmäßige Arbeit in die
Küstenregionen Westafrikas „vermittelt“ und kehren oft erst als
Erwachsene in ihre Heimat zurück, wobei die Verwurzelung der
Menschen eine wichtige kulturelle Bedeutung hat. Jungen werden als
Pflanzer an die Elfenbeinküste verkauft, Mädchen werden nach Gabun
und Nigeria gebracht und arbeiten dort als Kleinhändlerinnen oder in
privaten Haushalten.
Die Kinder werden in Lagern festgehalten und
isoliert, sie leisten schwere körperliche Arbeit auf den Plantagen,
nicht selten 12 bis 15 Stunden täglich. Dabei werden sie streng
bewacht und von der Außenwelt abgeschottet. Drohungen und Gewalt
sind an der Tagesordnung – sogar von Ritualmorden wird berichtet.
Die Kinder werden mangelhaft ernährt und schlafen nicht selten
angekettet auf dem Boden. Mädchen, die in Gabun oder Nigeria
ausgebeutet werden, werden oft auf überfüllten Kähnen über das
offene Meer in die Bestimmungsländer verbracht. Immer wieder hört
man von Vorfällen, nach denen kranke Kinder von den Menschenhändlern
einfach über Bord geworfen werden. Auch die Mädchen erhalten häufig
keinen Lohn, auch sie werden Opfer von Gewalt – vielfach auch
sexueller Gewalt.
'cause ist eine Spielzeugmarke der
Handelshaus Gollnest & Kiesel KG für besonders hochwertiges
Spielzeug. Mindestens 50% der Gewinne mit dieser Marke stellt das
Handelshaus für den Schulbau für arbeitende Kinder in der Dritten
Welt zur Verfügung. Mit dem Partner terre des hommes wurden vor der
Schule im Dogon Land bereits Schulen in Vietnam, Peru und Kolumbien
gebaut.
Handelshaus G. Gollnest & F.-R. Kiesel KG
Öffentlichkeitsarbeit
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