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"Wir wollen spielen, lernen und auch arbeiten"
Kinder aus Südamerika verblüffen Möllner Schüler
(Güster, Juni 2004)
Jacy Jussara Ore Paimo (13) und Lina Paola
(17) haben seit ihrem sechsten Lebensjahr gearbeitet und setzen sich
jetzt für die Interessen arbeitender Kinder ein. Auf Einladung des
Handelshauses haben sie im Mai an einem Projektunterricht für
Oberstufenschüler am Möllner Gymnasium teilgenommen.
Jacy kommt aus Peru und Lina aus Kolumbien.
Ihre Unbefangenheit und Klarheit hat auch die Erwachsenen sofort für
sie eingenommen. Temperamentvoll schildert insbesondere Jacy ihren
Alttag. Ihr Tag beginnt schon früh am Morgen, wenn die deutschen
Schülerinnen und Schüler noch behütet im Bett liegen, mit
Hausarbeit. Auch ihre jüngeren Geschwister muss sie versorgen.
Nachmittags geht sie zur Schule, die dauert bis spät in den Abend.
Sie hat begriffen, welche Chancen ihr Bildung geben kann, deshalb
geht sie gern in die Schule. Wenn sie über ihre Schulen berichten,
sprühen die Augen von Jacy und Lina. Ihr haben sie die wertvollsten
Erfahrungen ihres jungen Lebens zu verdanken. Lina ist ruhiger. Auch
sie weiß was sie will. Jetzt will sie studieren. Die Grundlagen zum
Studium hat sie auch in Creciendo Unidos erhalten, dem Projekt in
Kolumbiens Hauptstadt Bogotá, das vom Handelshaus finanziell
unterstützt wird. Später will sie in sozialen Projekten arbeiten und
sich für Kinder engagieren, denen Bildung verweigert wird.
Sie sind couragiert und temperamentvoll,
engagiert und organisiert – nicht nur in ihrer jeweiligen
Kinder-„Gewerkschaft“, auch ihr alltägliches Leben haben sie
offensichtlich genauestens geplant. Das ist auch notwendig, denn
beide wissen, was sie wollen. Sie wollen arbeiten, das hat manche
überrascht, sie wollen Achtung und Anerkennung ihrer Arbeit und sie
wollen, das von Kindern gefertigte Produkte in den reichen Ländern
nicht geächtet werden. Sie halten Kinderarbeit, mindestens zum
jetzigen Zeitpunkt, für unverzichtbar, wehren sich aber gegen
Arbeitsbedingungen, die nicht kindgerecht sind, gegen sklavische
Ausbeutung und Kinderprostitution. Aber sie wollen auch Bildung,
deshalb gehen sie täglich zur Schule, nur Bildung kann ihnen die
Voraussetzungen geben, für sich und ihre Familien bessere
Lebensbedingungen zu finden. Davon träumen sie und dafür setzen sie
sich ein. Das war unüberhörbar.
Sicherlich sind beide auch privilegiert: sie
können jeden Tag zur Schule gehen und sie haben von den Erfahrungen
anderer in letzten Jahren viel gelernt.
Beide hatten Glück, von Projekten aufgenommen zu werden, die ihnen
Arbeit und Schulunterricht geben. In Deutschland waren sie als
Teilnehmerinnen des Welttreffens arbeitender Kinder, das Anfang Mai
in Berlin stattfand.
Mehr als 250 Millionen Kinder arbeiten
weltweit unter teilweise entwürdigenden Bedingungen für ihren
Lebensunterhalt und oft auch den ihrer Familien. Sie werden
ausgebeutet, teilweise versklavt und einige werden als
Kinderprostituierte zur Arbeit gezwungen. Es sind Kinder ohne Zeit
zum Kindsein, zum Spielen oder zum Erwerb von Bildung.
Das Kinderhilfswerk terre des hommes
und das Handelshaus Gollnest & Kiesel setzen sich gemeinsam ein, um
Kindern in der Dritten Welt den Schulbesuch zu ermöglichen.
»Bildung ist die Voraussetzung für die überwindung der
Kinderarbeit«, begründen Gerhard Gollnest und Fritz-Rüdiger Kiesel
ihr Engagement. Inzwischen geht die Partnerschaft von Gollnest &
Kiesel mit terre des hommes ins fünfte Jahr. Es entstanden bereits
Schulen in Vietnam, Peru und Kolumbien; ein viertes Projekt wurde in
Mali bereits in Betrieb genommen.
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Handelshaus G. Gollnest & F.-R. Kiesel KG
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